Dienstag, 11. März 2008

Man möchte brechen vor Angst

Wenn du die Aufzählung großartiger Pläne und Ereignisse abspulst, die sich in weiter Ferne nicht einmal abzeichnen, sondern die lediglich als wahnwitzige Phantasieerscheinung wie ein Zeichentrickamboß ein paar Frames lang am Horizont schweben, oder die du letzten Endes als nicht besonders lebenswerte Zeit über dich ergehen lassen musstest, denn ausgemacht ist ausgemacht, kannst du nicht mehr behaupten, dass es sich hierbei nicht um eine Sequenz von niemals verwirklichten wie knapp überlebten Hirngespinsten handelt, die dich eine nach der anderen und alle zusammen dauerhaft aus der Bahn geworfen haben. Man könnte dich jetzt für besonders schlau, besonders komplex, besonders intellektuell, besonders avantgardistisch, wenn es so etwas noch gäbe, halten – mit anderen Worten einfach für obskur und unverständlich, was glücklicherweise aus Angst, als unwissend zu gelten, niemand zugeben würde. Oder man weiß, dass Mensch und Grammatik unzertrennlich sind, und erkennt, dass du meinetwegen starke Gene hast, nicht aber eine außergewöhnliche Leistung erbringst, indem du vage Gefühle mittels dieser Grammatik aus dir hervorsprudeln lässt, somit einem Automatismus seinen Lauf lässt und dabei auf primitivster Ebene einem Gewächs gleichst, dass seine Chlorophylllungen mit einem tiefen Atemzug Kohlendioxid füllt und, nachdem es sich seine Zellstruktur zermatert hat, nichts und wieder nichts als Kohlendioxid ausprustet. Wenn man dann, in Verdrängung dessen, was man eigentlich hätte machen sollen, nägelkauend, kopfhautpulend, auf seine Tastatur einhackt, könnte man das Kunst nennen. Möchte man aber nicht.

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