Freitag, 21. März 2008
Wollte ich irgendwann mal gesagt haben...
Er scheint es sich zur Angewohnheit zu machen, wöchentlich über mir hereinzubrechen, der Wahn. Immer Dienstags, und doch jedes Mal unerwartet. Letzte Nacht fühlte ich mich von ihm schon wieder dazu getrieben, aufzustehen, mich in deinem Zimmer an den Laptop zu setzen um in jungfräulichen Worddokumenten fein säuberlich Neurosenbeete anzulegen. Im Bett hielten mich dann doch die Müdigkeit, die ich nicht in den nächsten Tag verschleppen wollte, war mir doch noch unklar, ob es nicht um 10 ein Seminar zu besuchen gäbe... Ich fühle mich hin und hergerissen in der Überlegung, mich für mein anstrengendes Verhalten zu entschuldigen und mache mal einen Versuch, es uns zu erklären.
Letzte Woche wollte ich aus mehreren Gründen nicht mit ins Seminar kommen, obwohl es schon auf meinem Stundenplan gestanden hatte, ohne dass ich mir überhaupt Gedanken gemacht hätte, wer die anderen Seminarteilnehmer sind. Nun hatte ich mir am letzten Dienstagabend, in einem Anfall von Selbstzweifeln und Enttäuschung über die Unzulänglichkeit der Wissenschaft und der begrenzten Erklärbarkeit der Welt die Augen ausgeheult und war, nachdem wir uns schlafen gelegt hatten, noch einmal aufgestanden, um ein paar Stunden lang in etwa das selbe wie jetzt zu tun, nur etwas zielgerichteter und produktiver. Abgesehen von der Müdigkeit hatte ich keine Lust, dich zu begleiten, da du mich vordergründig als Schutz vor Ines dabeihaben wolltest. Ich gehe gerne mit dir in ein Seminar, wenn du glaubst, das Thema könnte mich interessieren, oder weil du meine Anwesenheit genießt. Nicht aber, weil du ein Problem mit deiner Exfreundin hast. Da komme ich mir benutzt vor.
Sich den Arm aufzuschneiden ist übrigens keine Art, Verantwortung dafür zu tragen, wenn man jemanden verletzt hat. Ob diese Form der Selbstjustiz dir wirklich dabei hilft, wieder ruhig schlafen zu können, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Allerdings hast du, statt dich wirklich darum zu bemühen, es wieder gut zu machen, damit leider geschafft, dein eigenes Unwohlsein in den Mittelpunkt zu stellen und mir nach einer Demütigung auch noch einen Schock zu versetzen. Ich wollte übrigens auch im Bad verschwinden, nicht um mich zu ritzen, sondern um den restlichen Abend nicht wieder zum Tisch zurückzukehren. Um mir allerdings an diesem Abend noch einen Rest Würde zu bewahren, hab ich mir alle Mühe gegeben, ein freundliches Gesicht aufzusetzen und so zu tun, als hätte der Vorfall nichts bedeutet. Von letzterem hatte ich es sogar beinahe geschafft, mich selbst zu überzeugen.
Ich habe keinen Grund, dich zu beschuldigen, weil du mich Ines genannt hast. Ich unterstelle dir ja gar keine Böswilligkeit, mir ist völlig klar, dass es ein Versehen war, wenn auch ein Versehen, über dessen mögliche Bedeutung ich mir jetzt noch den Kopf zerbreche.
Was du danach getan hast, hat mich weitaus mehr verstört als der Versprecher. Was ich dir, als der Besuch dann weg war, gesagt habe, habe ich tatsächlich so gemeint: Es gäbe nichts, das du mir antun könntest, das eine Selbstgeißelung wert wäre.
Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, mit der Situation so gut wie möglich umzugehen. Dich davon zu überzeugen, dass es nicht mal halb so schlimm ist. Dadurch habe ich mir (oder du mir?) die Möglichkeit genommen, den Gefühlen, die ich den Abend über unterdrückt hatte, freien Lauf zu lassen. Zu sagen, dass es mich wirklich verletzt hat.
Nenn mich sensibel, aber am Morgen danach, und wiederum am Morgen nach dem Morgen danach, bin ich jedes Mal mit dem Gefühl aufgewacht, aus einem Alptraum zu erwachen – nur um dann festzustellen, dass es gar kein Traum war.
Man möchte...nicht telefonieren vor Angst
Aus einem Gefühl von Unzulänglichkeit heraus überwältigt mich jedes Mal aufs Neue die Angst, den Vorstellungen meines Vaters nicht gerecht zu werden. Ich traue mich nicht ein mal, ihn wegen einer Lapalie anzurufen, weil ich befürchte, einen Fehler gemacht zu haben und im nächsten Moment dafür seinen gebührenden Zorn zu spüren. Auch wenn diese Befürchtung wahrscheinlich noch nicht ein mal eintreten würde. Selbstverständlich gab es schon Gespräche, die scheinbar harmonisch verlaufen sind – doch überwiegt statt der Erinnerung an ein positives Gespräch der Verdacht, dass mein Vater sich im Stillen über meine Mangelhaftigkeit ärgert.
Erleichtert stelle ich immer wieder fest, dass die Vorstellungen meines Vaters, schildere ich diese gelegentlich Außenstehenden, nicht das Maß aller Dinge sind – dennoch bin ich nicht in der Lage, die Ängste, die ich angesichts von Zukunftsentscheidungen hege, abzuschütteln. Längst hatte ich die befreiende Erkenntnis, das es für mich vollkommen legitim ist, mein Leben selbst zu bestimmen und das ich nur den Mut aufbringen muss, den Vorgaben meines Vaters zur Verwirklichung meiner eigenen Träume zu trotzen. Doch will ich damit beginnen, bin ich durch einen anderen Gedanken wiederum gelähmt: Zu spät verselbstständige ich mich, suche ich nach meiner eigenen Willenskraft. Der Zug ist schon abgefahren, ich kriege nicht mehr die Kurve. Ich werde es nie fertigbringen, eigenständig etwas auf die Beine zu stellen. Längst hätte ich erkennen müssen, wer ich bin und wo ich hin will. Zwanzig Jahre lang hat mein Vater, auch wenn er wenig daran teilgehabt hat, über mein Leben bestimmt. Elementare Stufen meiner Persönlichkeitsentwicklung sind mit Sicherheit schon abgeschlossen. Bis hier hin hat mein Vater mich gelenkt, wenn auch ohne besonders gute Kenntnis des Straßennetzwerkes, und nun, da ich am Steuer sitze, weiß ich nicht, wie man Gas und Kupplung bedient. Einen Führerschein habe ich damals mit 18, im Gegensatz zu allen anderen aus meinem Bekanntenkreis, nie gemacht.
Glücklicherweise habe ich davon gehört, dass manchmal sogar Greise noch eine Fahrprüfung ablegen.In meinem nächsten Leben werde ich eine jüdische Argentinierin, die fähig ist, die Zeit anzuhalten, und die bewusst in der Lage ist, ihre Persönlichkeit bei Bedarf zu spalten und wieder zu vereinen. Ich werde in der Lage sein, aus eigener Überzeugung fokussiert zu arbeiten, und nicht das Gefühl haben, durch die Verrichtung der mir scheinbar aufgezwungenen Arbeit an Charakterstärke einbüßen zu müssen – im Gegenteil.
You told me to write a song
Take a cheese cloth to the fishbowl
Wring him out and bake a pie
It is time for you to leave me
Bye bye goldfish
Bye bye
Grease the dish and pound the fish
And fill the pastry don’t you cry
It’s been time for him to leave you
Bye bye goldfish
Bye bye
If only you would come back
I’d cook your favourite, any time
Next time I’d bake the house cat
Who haunted you those days gone by
I’d cook him, baby, cook him fine
I’d use some garlic
Use some wine
I’ll cook him, baby, cook him fine
It’ll be the best you ever tasted
You ain’t been the first to leave me
I’ve been one to leave behind
I’ll will bloody cook him for you
Cook for every day gone by
Cook him baby
Cook him baby
Cook him baby
Cook him fine
Cook him baby
Cook him baby
Bye bye goldfish
Bye bye